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Alles über Karte, GPS, Höhenmesser und Kompass


GPS-Gerät im Einsatz. 

Es ist noch garnicht so lange her, da war die Orientierung bei schlechter Sicht in den Bergen eine knifflige Sache, die nicht nur gute Fähigkeiten im Lesen topografischer Karten erforderte, sondern auch im Umgang mit Kompass und Höhenmesser. Seit dem Siegeszug der GPS-Technik hat sich das etwas gewandelt, allerdings besteht dadurch die Gefahr, sich zu sehr auf den Segen der neuen Technik zu verlassen. Dadurch verkümmern die Routine im Umgang mit der Karte, das natürliche Orientierungsvermögen und der Blick fürs Gelände, sowie das Grundverständnis für Himmelsrichtungen (die nicht nur für die Wegfindung eine Rolle spielen) und die Zusammenhänge von Luftdruck und Höhe. 

Topografische Karten als Basis für die Orientierung

Auch der Einsatz von GPS-Geräten setzt Kenntnisse im Kartenlesen voraus. Eine Karte bildet immer die Basis der Orientierung - auch vorgefertigte Wegpunkte oder GPS-Tracks sollten vorher anhand einer (digitalen) Karte noch verifiziert werden, bevor man sich für die Wegfindung auf sie verläßt. Das gilt insbesondere für Fremddaten. Beim Bergsteigen haben sich Karten im Maßstab 1:25.000 bewährt.  Für Betätigungen, die sich an Wege- und Straßennetze halten (Bergwandern, Mountainbiken) reichen in der Regel Karten im Maßstab 1:50.000 vollkommen aus. 

Der Kompass - ein aussterbendes Gerät?

Ein magnetischer Kompass weist uns die Nordrichtung und mit Hilfe einer drehbaren Windrose lassen sich somit beliebige Himmelsrichtungen im 360°-Spektrum bestimmen. Im Zusammenspiel mit einer exakten Karte lassen sich also nicht nur die erforderliche Zielrichtung anpeilen, sondern auch der eigene Standort auf der Karte durch Anpeilen markanter Geländepunkte (z. B. Berge) bestimmen. Durch die GPS-Navigation verliert der Kompass aber inzwischen auch beim Bergsteigen seine Bedeutung und dient heutzutage bestenfalls  noch als Backup, falls die Elektronik versagen sollte. Die reine Navigation mit Kompass erfordert nicht nur viel Übung, sondern ist auch umständlicher und bei ungenauer Arbeit fehlerbehafteter als die Orientierung mittels GPS. 

Höhenmesser

Für die Höhenmessung gibt es zwei verschiedene Verfahren, die für das Bergsteigen von Bedeutung sind. 

  • Die traditionelle und bewährte Methode baut auf der Tatsache auf, dass der Luftdruck mit zunehmender Höhe abnimmt. Letztendlich ist also handelsüblicher Höhenmesser ein modifizierter Barometer, der den tatsächlichen Luftdruck in die Höhe umrechnet. Bei konstantem Luftdruck sind dadurch Genauigkeiten von 10 Metern problemlos möglich. Der Nachteil ist allerdings, dass das Ergebnis durch Wetteränderungen (Luftdruckschwankungen) verfälscht werden kann und somit eine permanente Nacheichung des Höhenmessers erforderlich ist. Als "Nebenprodukt" dieses Verfahrens erhält der Bergsteiger aber immer eine Rückmeldung über Luftdruckveränderungen und somit über mögliche Wetteränderungen.
  • Die zweite Methode ist die Höhenmessung mittels GPS. Ein GPS-Empfänger kann nicht nur die Koordinaten ausgeben, sondern auch die Meereshöhe, wobei aber die Messungenauigkeit in der Vertikalen angeblich dreifach höher ist als in der Horizontalen. Bei modernen Geräten und gutem Satellitenempfang sollten sich die Abweichungen theoretisch Bereich von +/- 15 Metern bewegen, bei sehr schlechtem Satellitenempfang (z. B. in engen Schluchten) auch mehr. In der Praxis fällt mir aber immer wieder auf, dass die reinen GPS-Höhendaten z. B. vom Smartphone durchaus in einer Range von +/- 50 Metern abweichen.

Das Optimum stellen also Geräte dar, die beide Techniken kombinieren und sich permanent gegenseitig abgleichen. GPS-Geräte die explizit fürs Bergsteigen angeboten werden haben in der Regel einen barometrischen Höhenmesser integriert, mehr dazu im folgenden Absatz. Höhenmesser ohne GPS wie zum beispiel mechanische Geräte aber auch digitale Höhenmesser in Armbanduhren benötigen viel weniger Strom als GPS-Geräte, weshalb sie auch weiterhin ihre Berechtigung haben. 

GPS-Empfänger

Das Herzstück der modernen Navigation stellen GPS-Empfänger dar. Sie können nicht nur die aktuelle Position anzeigen, sondern auch vorgefertigten Routen oder einem eingespeicherten Track folgen und (siehe oben) die aktuelle Meereshöhe bestimmen. Die Funktionsweise ist dabei so einfach wie technisch aufwändig. Die Erde wird von einer ganzen Reihe von Satelliten des Global Positioning Systems (GPS) umkreist, die permanent ihre Position und die Uhrzeit Richtung Erdoberfläche schicken. Der Empfänger berechnet aus diesem Signal die Entfernung zu dem Satelliten. Sind mehrere solcher Satellitensignale gleichzeitig verfügbar, kann das Gerät seine Position auf der Erde, bzw. auf einer Karte ziemlich exakt bestimmen. Bei modernen Geräten sind bei freiem Rundumblick Abweichungen von weniger als 5 Metern die Regel. 

Es gibt inzwischen eine unüberschaubare Menge an GPS-Empfängern auf dem Markt - die wenigsten sind für den Bergsteiger wirklich tauglich. Hinzu kommen noch die GPS-tauglichen Smartphones, die mit diversen Apps zu einem brauchbaren GPS-Empfänger mutieren

Beginnen wir mit den Smartphones. Mit den unzähligen Apps lassen sich damit inzwischen theoretisch fast alle Funktionen simulieren, die auch in den "echten" GPS-Empfängern integriert sind. Neben der meist deutlich schlechteren Batterielaufzeit ist aber auch die Genauigkeit nach meinen Erfahrungen noch etwas schlechter als bei den Spezialisten. Insbesondere für die Höhenmessung gibt es keine perfekte App und ausserdem merkt man das Fehlen eines barometrischen Höhenmessers. Das größte Manko ist neben der - mit Handschuhen fast unmöglichen Bedienung - und der schlechten Ablesbarkeit in greller Bergsonne aber die Energiebereitstellung. Das Aufzeichnen eines Tracks ist durchaus über 8 - 10 Stunden möglich, aber bei laufender Navigation mit Display hält ein Akku bei kaltem Wetter kaum nur wenige Stunden. 

Die nächste Stufe sind GPS Uhren. So praktisch eine Höhenmesser Uhr ist, so groß sind die Kompromisse, die man eingeht, wenn man den GPS-Empfänger am Handgelenk trägt. Klar, einen Track aufzeichnen, das geht einwandfrei. Aber sobald man damit richtig navigieren muss, fängt der Stress an, sofern es überhaupt machbar ist. Auf dem Display können zwar sowohl Hintergrundkarten als auch der Trackverlauf angezeigt werden, aber letztendlich ist es doch nur eine Notlösung, die im weglosen Gelände für Skitouren oder Hochtouren nicht wirklich praktikabel ist. Die Akkulaufzeiten dieser Uhren sind je nach Funktionsmodus zwischen 10 und 50 Stunden, also auch kein Vergleich zu reinen Höhenmesseruhren, die durchaus 6 - 12 Monate mit einer Batterie laufen. 

Schlußendlich führt um einen GPS-Empfänger kein Weg herum, wenn man die volle Bandbreite an Möglichkeiten der GPS-Navigation sicher einsetzen möchte. Sofern man ausschließlich mit vorbereiteten Tracks arbeitet und auf Wanderwegen und Straßen unterwegs ist, tuts auch eine Uhr bzw. ein Smartphone. Aber wer bei schlechtem Wetter auf Skitour, auf einem Gletscher oder in der weglosen Wildnis außerhalb Mitteleuropas unterwegs ist, der sollte sich einen richtigen GPS-Empfänger zulegen. Auch für Geochacher führt daran meiner Meinung kein Weg vorbei.  

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